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🔊 Doppler Guide
⏱ 45 Min.

🫀 Doppler Echokardiographie Guide

💡
Überblick

Um zu verstehen, wann welcher Doppler-Modus in der Echokardiographie eingesetzt wird, gilt: Jeder Modus dient einem bestimmten Zweck — entweder die exakte Lokalisation des Flusses oder die Erfassung der maximalen Geschwindigkeit.

📊 PW-Doppler (Pulsed Wave Doppler)

🎯 Prinzip & Eigenschaften Tiefenselektiv

Prinzip: Erlaubt die Wahl eines genau definierten Punktes (Sample Volume) und misst dort die Blutflussgeschwindigkeit (Tiefenselektivität).

⚠️
Limitation: Kann hohe Geschwindigkeiten nicht messen. Übersteigt die Geschwindigkeit den Grenzwert (etwa 1,5–2 m/s), kommt es zum Aliasing-Effekt (die Kurve bricht ab und überlagert sich).
🎯 Indikationen
  • LVOT-Messung: Sample Volume direkt unterhalb der Aortenklappe platzieren, um das VTI zu berechnen
  • Diastolische Funktion: PW an der Mitralklappenöffnung platzieren (E/A-Wellen)
  • Pulmonalvenenfluss: zur weiteren Bestätigung der diastolischen Dysfunktion
Fazit PW: Einsatz, wenn die normale Blutflussgeschwindigkeit an einem definierten Ort gemessen werden soll.

📈 CW-Doppler (Continuous Wave Doppler)

Prinzip & Eigenschaften Hohe Geschwindigkeiten

Prinzip: Misst alle Geschwindigkeiten entlang der gesamten Ultraschalllinie (keine Tiefenauflösung). Der entscheidende Vorteil: Er kann sehr hohe Geschwindigkeiten messen, ohne dass Aliasing auftritt.

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Technischer Vorteil: Beim CW besitzt die Sonde zwei Kristalle: einer sendet kontinuierlich, einer empfängt kontinuierlich. Keine Wartezeit!
🎯 Indikationen

Bei Klappenstenosen:

  • Aortenstenose: Vmax bestimmen und Druckgradient berechnen (ΔP=4×V²)
  • Mitralstenose: dasselbe Prinzip

Bei Klappeninsuffizienzen:

  • TI: Jet-Geschwindigkeit messen, um den Pulmonalarteriendruck (sPAP) zu berechnen
  • MI: Form und Dichte der Kurve beurteilen (Signaldichte)

🎨 Farb-Doppler (Color Doppler)

🗺️ Das "GPS" der Echokardiographie

Das ist unser „GPS" in der Echokardiographie. Es zeigt die Flussrichtung (rot = auf den Schallkopf zu, blau = vom Schallkopf weg, nach der BART-Regel) und die Bereiche mit turbulentem Fluss.

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BART-Regel:
● Blue = Away (vom Schallkopf weg)
● Red = Toward (auf den Schallkopf zu)

Anwendungen:

  • Jets der Insuffizienzen visualisieren
  • Shunts (ASD/VSD) detektieren
  • Vena contracta messen
  • PISA-Methode für Schweregrad-Bestimmung

💪 Gewebe-Doppler (TDI - Tissue Doppler Imaging)

🫀 Myokardgeschwindigkeiten

Misst nicht die Blutflussgeschwindigkeit, sondern die Bewegungsgeschwindigkeit des Herzmuskels selbst (Myokardgeschwindigkeiten). Der Muskel bewegt sich langsam, sein Signal ist jedoch kräftig.

Wichtigste Anwendung: Diastolische Funktion
Am Mitralklappenring (septal und lateral) platzieren, um die e'-Welle zu messen. Anschließend E (aus dem PW, Blut) durch e' (aus dem TDI, Muskel) teilen, um die E/e' ratio zu erhalten.

Weitere Anwendungen:

  • E/e' Ratio: liefert eine präzise Abschätzung der linksventrikulären Füllungsdrücke
  • RV-Funktion: Messung der s'-Welle am Trikuspidalklappenring

🌟 Goldene Regel

💎 Entscheidungsmatrix
Modalität Frage Limitation
PW Wo ist der Fluss? (Lokalisation) Keine hohen Geschwindigkeiten
CW Wie hoch ist Vmax? Keine genaue Lokalisation
Farb Richtung & Turbulenz? Keine quantitative Messung
TDI Myokard-Bewegung? Nur für Gewebe, nicht Blut

🔽 Mitralklappen-Inflow

📉 E- und A-Welle PW-Doppler

Hier wird beurteilt, wie das Blut in der Diastole vom linken Vorhof (LA) in den linken Ventrikel (LV) einströmt. Das PW wird im apikalen 4-Kammerblick an der Klappenöffnung platziert.

E-Welle (Early filling):

Beim Öffnen der Mitralklappe strömt das Blut kräftig und schnell in den linken Ventrikel (da dieser leer ist und der Druck niedrig). Im Normalfall ist diese Welle groß.

A-Welle (Atriale Kontraktion):

Am Ende der Diastole kontrahiert der linke Vorhof, um das restliche Blut auszuwerfen. Im Normalfall ist diese Welle klein.

⚕️ Pathologische Muster
📊
Relaxationsstörung (E < A):
Wird der linke Ventrikel steif und relaxiert schlecht, strömt das Blut anfangs schlechter ein (E wird kleiner) und der Vorhof muss kräftiger kontrahieren (A wird größer).
🚨
Restriktives Muster (E >> A):
Verschlechtert sich der Zustand und der Ventrikel wird sehr steif mit erhöhtem Druck, strömt das Blut anfangs kräftig ein, da der Vorhofdruck stark erhöht ist (E wird sehr groß).

🔽 Trikuspidalklappen-Inflow

🫀 Rechtsventrikle Funktion

Exakt dasselbe Prinzip wie bei der Mitralklappe, jedoch auf der rechten Herzseite: Beurteilt wird, wie das Blut vom rechten Vorhof (RA) in den rechten Ventrikel (RV) einströmt.

  • E-Welle: schnelle Füllung des rechten Ventrikels
  • A-Welle: Kontraktion des rechten Vorhofs
🔍
Klinische Bedeutung:
Dient der Beurteilung der rechtsventrikulären diastolischen Funktion. Bei pulmonaler Hypertonie oder Rechtsherzinfarkt findet sich E < A.

🫁 Pulmonalvenenfluss

🌊 S-, D- und Ar-Welle

Hier wird ein Schritt zurückgegangen: Gemessen wird die Geschwindigkeit des Blutes, das aus der Lunge in den linken Vorhof (LA) einströmt. Das PW wird in der Vena pulmonalis platziert (meist die rechte obere Pulmonalvene, RUPV).

S-Welle (Systole):

Während der Ventrikelsystole (Mitralklappe geschlossen) relaxiert der linke Vorhof und „saugt" Blut aus der Lunge an. Diese Welle ist positiv (oberhalb der Linie).

D-Welle (Diastole):

Beim Öffnen der Mitralklappe strömt das Blut aus der Lunge über den Vorhof direkt in den linken Ventrikel. Dies ist die zweite positive Welle.

Ar-Welle (Atrial Reversal):

Wenn der linke Vorhof kontrahiert, um Blut in den Ventrikel zu befördern, strömt ein Teil rückwärts in die Pulmonalvenen. Diese Welle ist negativ (unterhalb der Linie).

⚕️ Pathologische Befunde
📈
Diastolische Dysfunktion:
Bei stark erhöhtem linksventrikulärem Druck (erhöhter LVEDP) ist die Ar-Welle groß und zeitlich verbreitert.
🚨
Schwere MI:
Bei schwerer MI wird die S-Welle negativ (unterhalb der Linie) — Systolischer Fluss-Reversal — ein Alarmzeichen!

📐 LVOT & VTI (Schlagvolumen-Berechnung)

📊 Velocity Time Integral

Was ist das VTI? Das Velocity-Time-Integral. Man stelle sich ein Erythrozyt vor, das den Ventrikel verlässt — das VTI gibt an, wie viele Zentimeter es bei einem Herzschlag zurücklegt (Schlagdistanz). Normalerweise liegt es zwischen 18 und 22 cm.

🧮
Formel für Schlagvolumen (SV):
SV = AreaLVOT × VTILVOT

Herzzeitvolumen (CO):
CO = SV × HF

Praktische Schritte:

  1. LVOT-Durchmesser messen (PLAX)
  2. Fläche berechnen: π × r²
  3. VTI mit PW-Doppler messen
  4. SV berechnen: Fläche × VTI

🔄 Kontinuitätsgleichung

⚖️ Aortenklappenöffnungsfläche (AVA) Wichtig!

Dies ist eine der wichtigsten Gleichungen der Kardiologie zur Berechnung der Öffnungsfläche der stenosierten Aortenklappe (Aortenklappenöffnungsfläche – AVA).

💧
Physikalisches Prinzip:
Man stelle sich ein zunächst weites, dann enger werdendes Rohr (Pipe) vor. Die Wassermenge, die durch den weiten Abschnitt fließt, ist dieselbe wie durch den engen. Damit dies möglich ist, muss das Wasser an der Engstelle schneller werden (höhere Geschwindigkeit).

Gleichung:

VolumenLVOT = VolumenAortenklappe

AreaLVOT × VTILVOT = AreaAorta × VTIAorta

→ AVA = (AreaLVOT × VTILVOT) / VTIAorta

Praktische Durchführung:

  1. LVOT-Fläche messen (PLAX)
  2. VTILVOT mit PW messen
  3. VTIAorta mit CW messen (hohe Geschwindigkeit!)
  4. AVA berechnen
⚠️
Schwere Stenose: AVA < 1.0 cm²

⚡ RVOT & Akzelerationszeit (AT)

⏱️ Pulmonale Hypertonie Marker

Was ist die Akzelerationszeit (AT)? Die Zeit, die das Blut vom Beginn des Auswurfs aus dem rechten Ventrikel bis zum Erreichen der Spitzengeschwindigkeit (Peak Velocity) benötigt.

Zustand AT-Wert Interpretation
Normal > 120 ms Normaler pulmonaler Druck
Leichte PH 105-120 ms Beginnende pulmonale Hypertonie
Schwere PH < 105 ms Ausgeprägte pulmonale Hypertonie
📏 Praktische Messung

Schritt-für-Schritt Anleitung:

  1. Sweep Speed erhöhen: 100 mm/s (wichtig für Genauigkeit!)
  2. PW-Doppler im RVOT platzieren (PSAX)
  3. Klares Signal gefrieren (Freeze)
  4. Punkt 1: Beginn der Welle (Basislinie)
  5. Punkt 2: Peak Velocity (höchster Punkt)
  6. Gerät berechnet AT automatisch
Pro-Tipp: Sweep Speed auf 100 mm/s einstellen für eine präzise Messung. So wird die Kurve gestreckt und der Peak lässt sich genau bestimmen.
📉 Mid-systolic Notching Schwere PH

Bei sehr hohem Pulmonaldruck prallt das Blut gegen diesen Druck und wird teilweise reflektiert. Die Pulmonalklappe neigt dazu, mitten in der Systole zu schließen und danach erneut zu öffnen!

⚠️
Notching = W-förmige Kurve
Dies erzeugt einen Einschnitt in der Mitte der Kurve, ähnlich dem Buchstaben W. Man nennt dies Mid-systolic Notching — ein sicheres Zeichen einer schweren PH.

AT-Messung bei Notching:

Die AT immer bis zum frühen ersten Peak messen, nicht bis zum zweiten Peak. Die AT ist dann sehr kurz (meist unter 75 ms).

⚠️ Klappenstenosen (CW-Doppler)

🧮 Bernoulli-Gleichung
Vereinfachte Bernoulli-Gleichung:

ΔP = 4 × V²

ΔP = Druckgradient (mmHg) | V = Maximale Geschwindigkeit (m/s)

Beispiel Aortenstenose:

Vmax = 4 m/s → ΔP = 4 × 4² = 4 × 16 = 64 mmHg

📊
Wichtig: Der mittlere Gradient (Mean Gradient) ist laut Leitlinien am wichtigsten für die Schweregradbeurteilung der Stenose!
📋 Schweregrad-Einteilung Aortenstenose
Schweregrad Vmax (m/s) Mean Gradient (mmHg) AVA (cm²)
Leicht 2.6-3.0 < 25 > 1.5
Mittelgradig 3.0-4.0 25-40 1.0-1.5
Schwer > 4.0 > 40 < 1.0

💔 Klappeninsuffizienzen (CW-Doppler)

🫁 Trikuspidalinsuffizienz (TI) → sPAP

Der wichtigste Nutzen ist die Berechnung des sPAP (Pulmonalarteriendruck).

Formel:

sPAP = 4 × VTI² + RAP

RAP (Right Atrial Pressure) ≈ 5-10 mmHg (je nach IVC-Kollaps)
Normwerte:
sPAP < 35 mmHg = Normal
sPAP 35-45 mmHg = Leichte PH
sPAP > 45 mmHg = Pulmonale Hypertonie
💔 Mitralklappeninsuffizienz (MI)

Beurteilungskriterien:

  • Signaldichte: Dichte der Kurve beurteilen. Hell, dicht und gut gefüllt → schwere MI
  • Jet-Form: Einschnitt in der Mitte (V-wave cutoff) → der Vorhof wird durch den Druck überlastet
  • Farb-Doppler: Jet-Größe, Vena contracta, PISA
🔴 Aortenklappeninsuffizienz (AI)

Berechnung der Pressure Half Time (PHT):

⚠️
Schwere AI: PHT < 200 ms
Das bedeutet, dass sich die Drücke zwischen Aorta und Ventrikel rasch angleichen — ein Alarmzeichen!

🫀 sPAP vs. AT: Warum beide?

🤔 Komplementäre Information

Warum AT und sPAP gemeinsam betrachten? Warum genügt nicht einer allein?

Weil sie sich ergänzen — jeder liefert eine andere Information aus einem anderen Blickwinkel.

🌡️
Metapher:
sPAP = „Thermometer" (zeigt die Höhe des Drucks)
AT = „Symptom" (zeigt, wie das rechte Herz mit dem Druck umgeht)
📊 sPAP - Der Goldstandard

Vorteile:

  • Gibt konkreten Zahlenwert (z.B. 50 mmHg)
  • Basis für Klassifikation (leicht/mittel/schwer)
  • Dokumentierbar und vergleichbar
⚠️
Limitation:
Benötigt TI (Trikuspidalinsuffizienz) mit gutem Signal. Bei 10-20% der Patienten nicht messbar!
⏱️ AT - Der Lebensretter

Vorteile:

  • Immer messbar: PW im RVOT funktioniert immer!
  • Misst PVR: Pulmonary Vascular Resistance (Gefäßwiderstand)
  • Notching: Spezifisches Zeichen für schwere PH
🎯
Klinischer Wert:
Wenn keine TI vorhanden → AT ist die einzige Methode zur PH-Detektion!
Validation durch Kombination
sPAP AT Interpretation
60 mmHg ↑ 70 ms ↓ ✅ Konsistent: Schwere PH bestätigt
60 mmHg ↑ 140 ms (normal) ❌ Inkonsistent: Messfehler! Wiederholen!
Nicht messbar 75 ms ↓ + Notching ✅ AT allein diagnostisch für PH
💎
Fazit:
Der sPAP liefert die Quantität (Quantity)
Die AT liefert die Qualität (Quality) und die Alternative bei fehlender TR

📚 Klinische Zusammenfassung

📋 Was schreibe ich in den Befund?
Tool Messung Klinische Entscheidung
PW Mitral E/A Diastolische Dysfunktion vorhanden?
PW Pulmonalvenen Sind Füllungsdrücke erhöht?
CW Aorten Vmax/MG Braucht Patient Klappenersatz-OP?
CW Trikuspidal Vmax Liegt pulmonale Hypertonie vor?
CW AI PHT Ist Aorteninsuffizienz schwer?
PW RVOT AT Alternative PH-Marker bei fehlender TI
🎓
Diese Frage macht den Unterschied: vom bloßen Bedienen der Sonde hin zum Verstehen der Sprache des Herzens.

Der Doppler ist das Messinstrument: Das PW erfasst die „Qualität der Füllung" (Filling/Diastole), das CW die „Schwere von Druck und Erkrankung" (Pressure/Severity).